21.04.2026rss_feed

Hortmann-Scholten warnt vor einseitiger Fokussierung auf das Tierwohl

AgE - Der Umbau der hiesigen Nutztierhaltung wird einseitig aus der Perspektive des Tierwohls betrachtet, während Aspekte wie Klimaschutz, Ernährungssicherung oder Seuchenprävention in der Debatte weitgehend ausgeklammert werden. Dies kritisiert Dr. Albert Hortmann-Scholten, der bis Ende 2025 den Fachbereich Betriebswirtschaft bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen leitete. Ganz andere Schwerpunkte setzte Dänemark, wie der Experte bei der diesjährigen Agrarfinanztagung von Deutschem Bauernverband (DBV) und Landwirtschaftlicher Rentenbank in Frankfurt am Main berichtete. Der nördliche Nachbar führe für Nutztiere eine Klimasteuer ein, um Haltungsverfahren und Fütterung in eine möglichst klimafreundliche Richtung zu lenken. Emittiert ein Haltungsverfahren zu viel CO₂, hätte dies unmittelbar finanzielle Nachteile für den Tierhalter.


Einen gegenteiligen Klimaeffekt habe laut Hortmann-Scholten der Umbau der Tierhaltung in Deutschland. Hier führten die vom Lebensmitteleinzelhandel (LEH) forcierten höheren Haltungsstufen durch geringere Besatzdichten immer zu einer höheren CO₂-Emission als der gesetzliche Mindeststandard. Dieser Zielkonflikt werde in der öffentlichen Debatte nicht angemessen berücksichtigt. Niedrigere Besatzdichten in den höheren Haltungsstufen seien laut dem Marktexperten auch kontraproduktiv mit Blick auf die Ernährungssicherung. So decke Deutschland bei Hähnchen mittlerweile nicht mehr den Eigenbedarf, sondern müsse Ware aus Polen und der Ukraine importieren. Diese Entwicklung sollte uns nachdenklich machen, so Hortmann-Scholten. Auch die soziale Komponente komme in der aktuellen Debatte zur Transformation der hiesigen Nutztierhaltung zu kurz, so der mittlerweile freiberuflich tätige Unternehmensberater. Wer soll sich denn künftig noch Fleisch aus höheren Haltungsformen leisten können?, fragte er in seinem Impulsvortrag bei der Agrarfinanztagung. Denn die höheren Haltungsstufen verteuern die Fleischproduktion auf allen Stufen der Wertschöpfungskette erheblich. Dies beginne bei den Viehgenossenschaften und Erzeugergemeinschaften, die die Warenströme getrennt erfassen müssten. Auch Schlachthöfe müssten Chargen aus unterschiedlichen Haltungsstufen aufwendig trennen. So entstünden bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel (LEH) Zusatzkosten auf jeder Stufe der Kette, die die gesamte Fleischproduktion belasten. Laut dem früheren Kammer-Berater entstehen durch Außenklima und Auslauf in den höheren Haltungsstufen zusätzliche Zielkonflikte bei der Seuchenprävention und damit beim gesundheitlichen Verbraucherschutz. Hinzu komme bei Auslauf oder Weidegang eine deutlich höhere Mortalitätsrate als bei reiner Stallhaltung, was einen Zielkonflikt mit dem Tierschutz darstelle. Nicht zuletzt leide beim deutschen Weg zum Umbau der Tierhaltung die Wirtschaftlichkeit. Die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Europäischen Union und auch am Weltmarkt sei mit Sicherheit infrage gestellt, betonte Hortmann-Scholten.